Geschwindigkeit

© KUK / Thomas Brenner

Angemessene Geschwindigkeit

Kinder können aufgrund ihres Alters Situationen und Gefahren im Straßenverkehr nicht richtig einschätzen. Umso wichtiger ist es, dass wir Erwachsenen auf sie Rücksicht nehmen. Dazu gehört es unter anderem, mit angemessener Geschwindigkeit zu fahren und sich an die Geschwindigkeitsvorgaben auf den Straßen zu halten. Das schreibt auch die Straßenverkehrsordnung vor und sieht eine besondere Rücksichtspflicht gegenüber schwächeren Verkehrsteilnehmern vor. Seit mehreren Jahrzehnten werden verkehrsberuhigende Maßnahmen realisiert – am häufigsten Tempo-30-Zonen und Verkehrsberuhigte Bereiche („Spielstraßen“). Seitdem beweisen sie immer wieder ihren Erfolg hinsichtlich gesunkener Unfallzahlen und Anwohnerzufriedenheit.

Tempo 30 und Schrittgeschwindigkeit

Wenn Autofahrer mit 30 km/h fahren sind sie nicht viel schneller als Fahrradfahrer. Das hat den großen Vorteil, dass durch die geringere Geschwindigkeitsunterschiede Kollisionen zwischen den einzelnen Verkehrsteilnehmern deutlich seltener werden. Und falls es doch zum Unfall kommt, dann ist die Aufprallenergie und damit die durchschnittliche Unfallschwere deutlich geringer als bei Tempo 50.

Sinn und Zweck der „Verkehrsberuhigten Bereiche“ ist dem umgangssprachlichen Begriff „Spielstraße“ genau zu entnehmen: Hier sollen Kinder sicher spielen können. Darum ist in Spielstraßen der Fußgänger das Maß: Alle Verkehrsteilnehmer dürfen sich nur im Schritttempo fortbewegen (7 km/h). Wenn sich alle daran halten, würde es hier praktisch keine Unfälle mehr geben, auch wenn die Spielstraßen voll mit Kindern wäre, die Spaß am Spielen, Toben, Radeln, Skaten usw. hätten.

Wenn ein Autofahrer sein Auto schnell zum Halten bringen muss, ist die gefahrene Geschwindigkeit entscheidend. Fährt er 30km/h, dann steht sein Fahrzeug nach ca. 17 Metern, vorausgesetzt die Fahrbahn ist trocken und sauber. Das sind noch mindestens drei Autolängen.Bei Tempo 50 erhöht sich dieser Anhalteweg auf knapp das Doppelte, nämlich zirka 33 Meter! Das wären schon fast sieben Autolängen!

 

Durch die langsamere Geschwindigkeit und den geringeren Anhalteweg wird es für Fußgänger einfacher, die Straße sicher zu überqueren, besonders in Wohngebieten, in Bereichen mit vielen Geschäften und im Bereich von öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten oder den Eingängen zu Parks. © Thomas Brenner

Im Verkehrsberuhigten Bereich ist der Anhalteweg bei korrekten 7 km/h zirka drei Meter lang. Bei einem realistischen Geschwindigkeitsdurchschnitt von 20 km/h liegt der Anhalteweg über zehn Meter. Angemessen langsame Geschwindigkeiten zu fahren, hilft uns als Autofahrer also dabei, nicht in einen schwerwiegenden Unfall mit Verletzten verwickelt zu werden oder gar für den Tod einer Person verantwortlich zu sein.

Übrigens: Ein Autofahrer haftet bei Unfällen mit Kindern unter zehn Jahren, sogar wenn das Kind den Unfall fahrlässig verursacht hat – beispielsweise, wenn es ohne zu schauen auf die Straße gelaufen ist. Wird das Kind bei dem Unfall verletzt, hat der Autofahrer bzw. dessen Versicherung Schadensersatzzahlungen an das Kind – je nach Verletzungsgrad und evtl. bleibenden Schädigungen – zu leisten.

Durch die langsamere Geschwindigkeit und den geringeren Anhalteweg wird es für Fußgänger einfacher, die Straße sicher zu überqueren, besonders in Wohngebieten, in Bereichen mit vielen Geschäften und im Bereich von öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten oder den Eingängen zu Parks.

 

 

© Thomas Brenner

Der angebliche Zeitverlust

Wie viel Zeitgewinn bringt es einem Autofahrer wirklich, wenn er schneller fährt als erlaubt? Fährt er beispielsweise auf einem Straßenabschnitt von 200 m mit Tempo 50 anstatt Tempo 30, ist er noch nicht mal 10 Sekunden schneller. Berechnet man das Abbremsen und Beschleunigen vor bzw. nach den Kreuzungen hinzu, ist es sogar noch weniger. Insgesamt verlängert sich die gesamte Fahrt durch das langsamere Fahren nur um ganz wenige Prozente. Sind es diese paar Sekunden wirklich wert, ein Risiko einzugehen?

 

Stopp, zu schnell!

  • Sorgen Sie dafür, dass Sie immer ein ausreichendes Zeitpolster haben. Versuchen Sie nicht, verlorene Zeit wieder aufzuholen. Bei der heutigen Verkehrsdichte hat jeder Verständnis dafür, wenn Sie ausnahmsweise mal zu spät kommen.
  • Vermeiden Sie Routine auf dem Arbeitsweg. Fahren Sie auch die tägliche Strecke so, als ob Sie es das erste Mal tun. Denn die Verkehrs- und Witterungsverhältnisse können sich von heute auf morgen drastisch verändern.
  • Versuchen Sie nicht, andere durch „erzieherische Maßnahmen“ wie das Antippen des Bremspedals oder absichtliches Blockieren der linken Spur am Schnellfahren zu hindern. Das kann zu gefährlichen Aggressionen und dadurch zu Unfällen führen.
  • Wenn Sie sich bedrängt fühlen, lassen Sie den „Drängler“ vorbei. Souveräne Fahrer haben es nicht nötig, sich anderen zu beweisen.